Was tun wenn, ich abgestillt habe und mein Baby/Kleinkind noch Fläschchen trinkt? Soll ich zu Anfangs- oder Folgenahrung greifen? Ist Kuhmilch eine Alternative?

Heute habe ich mal ein Thema für alle Mütter von Säuglingen bzw. Kleinkindern unter 2 Jahren hier. Danke liebe Doris für die Frage (schreibe mir gerne eine Frage, die dich bezüglich eurem Familientisch brennend beschäftigt oder interessiert, und ich wähle sie für die nächste Woche gerne aus, wenn sie passt).

Bei dem ganzen Angebot an Milchnahrungen fällt es oft schwer zu entscheiden, was nun die beste Wahl für den Nachwuchs ist. Es gibt nicht nur unzählige unterschiedliche Marken, es gibt auch unterschiedliche Varianten. Hintergrundwissen hilft enorm bei der Auswahl.

Fertigmilch unterliegt einer intensiven Forschung. So wurde sie in den letzten Jahren stetig verbessert und der Muttermilch Schritt für Schritt immer mehr angepasst. „Stillen ist das Beste für das Kind“ heißt es immer. Wenn es aber aus irgendeinem Grund nicht klappt ist es gut, dass es eine Alternative gibt, mit der Kinder ebenso gut gedeihen.

Hintergrundwissen zu der Zusammensetzung

Es gibt zwei Gruppen von Fertigmilch

  • Die Anfangsnahrung: gedacht für die Ernährung von Geburt an.
  • Die Folgenahrung: Erst ab dem 7. Monat zur Kombination mit der Beikost gedacht.

Innerhalb dieser Gruppen kann man noch nach dem Hauptbestandteil unterscheiden. Die Basis der meisten Milchnahrungen bildet Kuhmilch. Für allergiegefährdete Babys werden hyperallergene bzw. hypoantigene Varianten empfohlen (HA-Milch). Eine weitere Variante gibt es noch zum Beispiel für Veganer. Sie enthält weder Kuhmilcheiweiß, noch Laktose und wird auf Basis von Sojaproteinisolaten hergestellt. Die HA-Nahrung und die vegane Nahrung sei hier aber nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Im Detail möchte ich auf die Unterschiede der zwei großen Gruppen: Anfangs- und der Folgenahrung eingehen.

Anfangsnahrung

Dazu zählen die Produkte mit der Bezeichnung „Pre“, „Start“ und der Ziffer 1. Aufgrund ihrer Zusammensetzung ähneln sie der Muttermilch am stärksten und sind den Ernährungsbedürfnissen der Babys angepasst. Der Eiweißgehalt der Anfangsnahrung ist deutlich geringer als bei Kuhmilch, was wichtig ist, damit Babys nicht zu hohe Eiweißmengen trinken.

Ansonsten sind diese drei Varianten sehr ähnlich. Ein wesentlicher Unterschied besteht aber in der Menge der Kohlenhydrate. „Pre“ und „Start“ enthalten genauso wie Muttermilch nur Milchzucker. 1er Nahrung ist dickflüssiger, da neben Milchzucker auch noch glutenfreie Stärke hinzugefügt wird. Der Gedanke dahinter ist, dass 1er Nahrung länger sättigen sollte. Außerdem dürfen bei 1er Nahrung auch noch weitere Zuckerarten (zb. Maltose, Maltodextrine oder Glukosesirup) hinzugefügt werden.

Folgenahrung

Wird mit der Ziffer „2“, „3“ oder mit Altersangaben wie  „nach dem 6. Monat“, „nach dem 10. Monat“ bezeichnet. Im Gegensatz zu der Anfangsnahrung ist die Ähnlichkeit zur Muttermilch geringer und deswegen auch nicht als Muttermilchersatz zu Beginn geeignet. Einsatzzweck ist für älter Babys ab 7 Monate, als Teil einer gemischten Kost in Kombination zu den Breien. Dies ist aber nicht zwingend notwendig, man kann auch bei der Anfangsnahrung bleiben.

Achtung Zucker!

Zusätzlich zu Stärke und Laktose dürfen der Folgenahrung auch noch weitere Zuckerarten und Aromen beigefügt werden. Neben Milchzucker findet man dann in der Zutatenliste zb. auch noch Saccharose, Glucose, Maltose, Maltodextrine, Glukosesirup und glutenfreie Stärke. Dass Zucker keinen gesundheitllichen Vorteil hat, ist ja bekannt. Auswirkungen betreffen aber die Geschmacksprägung des Nachwuchses. Die Gewöhnung an süßen Geschmack wird gefördert. Ähnlich ist es auch mit den Aromen.

Es lohnt sich also auch hier wieder, vor dem Kauf die Zutatenliste zu prüfen. Sind Zuckerarten und künstliche Aromen im Produkte enthalten, greife lieber zu einem anderen Produkt.

Generell kann man hierzu sagen, dass jedes Stillen wertvoll für die Babys ist. Alternativ ist die muttermilchähnlichste Variante die „Pre“ oder „Start“ Nahrung. Der Unterschied zur 1er- und zur Folgenahrung liegt in der Zusammensetzung der Eiweiße und auch in der Menge an beigefügter Stärke, Zucker und Aromen. Im Normalfall (wenn das Baby gut trinkt und an Gewicht und Wachstum zulegt) gibt es also keinen Grund auf die 1er oder Folgenahrung umzustellen. Falls du hier unsicher bist, besprich das Thema unbedingt mit eurem Kinderarzt / Kinderärztin.

Die Empfehlung in der Literatur lautet daher, dass Pre-Nahrung sowohl fürs erste Jahr, als auch darüber hinaus ausreichend ist, um den Nährstoffbedarf von Babys und Kleinkindern zu decken.

Fläschchentrinker ab 1 Jahr

Sobald die Kinder am Familientisch mitessen (und du auch bereits abgestillt hast) gibt es eigentlich keinen Grund mehr für Fläschchen. Die Kinder holen sich die Nährstoffe dann über die ausgewogene Familienkost. Dennoch kann es aber sein, dass das Kind als Einschlafhilfe oder anderem Grund trotzdem noch ein Fläschchen braucht.

(Man kann hier auch immer wieder gut beobachten, dass manchmal Kinder die noch mehrere Fläschchen mit Milchnahrung am Tag bekommen, die Familienkost schlechter essen. Das ist naheliegend, da sie ja ihren Nährstoff- und Kalorienbedarf des Tages hauptsächlich über die Fläschchen stillen. Falls das bei dir auch der Fall ist, sprich bitte auch unbedingt mit einem Profi oder eurem Kinderarzt / Kinderärztin darüber. Hier macht es Sinn, die Fläschchen zu reduzieren, damit das Kind ein ausgewogenes Ernährungsverhalten lernt).

Umstieg auf Kuhmilch

Wenn dein Kind als Einschlafhilfe oder nach dem Aufwachen noch aus der Flasche trinkt, kannst du in dem Alter auch eine Mischung aus Kuhmilch und Wasser anbieten (sofern keine Kuhmilcheiweißallergie oder Laktoseintoleranz besteht). Bereite sie anfänglich noch mit einem höheren Milchanteil als Wasseranteil zu. Nach und nach reduzierst du dann die Milch und erhöhst den Wasseranteil.

Milch und Milchprodukte gehören in diesem Alter aufgrund wertvoller Nährstoffe zu einer ausgewogenen Kinderernährung hinzu. Eiweiß, Kalzium, Fett, Vitamin A, D, Riboflavin und Vitamin B12 sind enthalten. Je nach Alter sind insgesamt 300 – 500 ml / Tag empfohlen (300 ml 1 Jahr, 330 ml 2-3 Jahre, 350 4-6 Jahre). 15 gr Schnittkäse enthalten einen gleichen Anteil an Kalzium wie 100 ml Milch.

Mengenempfehlung Milch und Milchprodukte am Beispiel eines 1jährigen:

Insgesamt 300ml:

                         2 Fläschen (Morgens und Abends) mit je 50ml Milch und 50ml Wasser

                          ½ Scheibe Käse

                          100 gr. Joghurt

Der Vorteil an dem Kuhmilchfläschen (sofern keine Allergie oder Intoleranz besteht) liegt also auf der Hand. Milch und Milchprodukte werden ohnehin für eine ausgewogene Ernährung empfohlen. Und mit dem geliebten Fläschen lässt sich so der Anteil decken. Gleichzeitig wird der Nährstoffbedarf nicht mehr über die Milchnahrung gedeckt, sondern über eine ausgewogene Kost.

Weil Gesundheit wertvoll ist.

Deine Vera

Quellen:

G. Eugster (2012). Kinderernährung gesund und richtig. München: Elsevier GmbH

U. Alexy & A. Hilbig (2014). Die beste Ernährung fürs Baby und Kleinkind. München: Kösel-Verlag

S. Obermoser (2017). Ernährung verschiedener Altersgruppen. Linz. Akademie Mea Vita (Vitalakademie)

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